December 12th, 2004
Noch fällt keinen Schnee obwohl ein Klirren in der Luft liegt, die Stadt hat seit Wochen ihr Party-Kleid an aus abertausenden Lämpchen, die die Häuser schmücken.
Das einzige was ich mir seit letztem Frühjahr angetan hab, (und es musste dringend sein!) war das “Loslassen” in all seinen Facetten in mich aufzusaugen…Ich musste verlieren um letztendlich mich selbst wieder zu gewinnen…Gefühle verlieren, sie dem Wind überlassen und ihnen Adieu sagen….
Gütig sind diejenigen die bei sich sein können, die sich gefunden haben…Ich hab zwar Gefühle verloren um die für mich gesunde Distanz wiederherzustellen aber ich hab das Glück gefunden, nein, endlich erkannt, ein Stück Weg mit jemanden gehen zu können so wie ich es mir immer gewünscht habe…und das Wort Liebe erscheint plötzlich wie aus einem Kaleidoskop…
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March 8th, 2004
Warum tue ich mir das bloss an? Ich bin auf einem gespannten Seil, weiss dass ich jeden Augenblick das Gleichgewicht verliere und weiss, dass mich niemand auffangen wird….Warum ist der Boden unter meinen Füssen so weit weg und so unfassbar? Warum hab ich ständig das Gefühl als stünde ich neben mir und beobachte einen teilnahmslosen Roboter der mit grösster Automatik seine Pflichten erfüllt? Nicht mehr und nicht weniger…..Geistlos, herzlos……Wo hab ich mich bloss verloren? Warum hat sich der stille Fluss meines Lebens im Laufe der letzten paar Jahre in ein unruhiges, heimtückisches Gewässer mit Wirbel und Sogen verwandelt? Warum ist alles so unordentlich? Hab ich etwa danach gerufen? Nein!!!!!!! Könnte mein Leben nicht einfach einem stillen See gleichen?
Alles ohne grossen Regungen so wie immer weitergehen? Wie es abertausende von Menschen führen? Warum muss ich ständig dieses altbewährte und doch wieder neu entdeckte Gefühl von “Heimweh” mit mir rumtragen? Warum tue ich mir das bloss an………
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February 8th, 2004
Und schon wieder 2 Monate ohne jegliche nennenswerte, beschreibenswerte Gefühlsregung…Scheint zumindest so, ist es aber keineswegs.
Mein neues, reelles Tagebuch ist handlich, schwarz und enthält nix persönliches und doch nur persönliches. “Unbedeutendes” für alle.
Das Hier und Jetzt in dem ich momentan lebe ist immer noch sehr gegenwärtig, obwohl ich mich “kopfmüde” fühle weil “tankstelle” für die verschiedensten Menschen, fühl ich mich andererseits total “vollgetankt”. Führe grad eine Heilfastenwoche durch, heute ist der 2. Tag und der ist bald vorüber…Es ist fast beängstigeng wie Nahrung gut riechen kann, wie es Spass macht ein perfektes Nachtessen hinzuzaubern wenn man selber nichts davon kosten kann. Aber es ist ja mein Entscheid und es ist gut so. Ich fühl mich sehr müde, ich friere am ganzen Körper, aber ich könnte Bäume ausreissen……….nicht die ganz grossen, nein, kleine….aber es geht mir gut.
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December 3rd, 2003
Ich staune! Seit September liegt mein virtuelles Tagebuch in einer Ecke und verstaubt vor sich hin…Und doch ist es das einzige das mir geblieben ist! Das reelle gibts nicht mehr, die Flammen haben es mitgenommen. Manchmal hab ich Angst, dass die Erinnerungen ebenfalls nur noch ein Häuflein Asche, zwischen Kamin und Himmel, sich mit jedem Lufthauch verflüchtigend, aus meiner Seele verschwinden könnten. Aber Angst hält uns wachsam, wir wachen auf unsere Erinnerungen und prägen sie uns wie Ritze in den Bäumen ein, um sie nicht zu verlieren, um sie lebendig zu erhalten, um sie wann immer Bedarf ist, wieder hervorzurufen. Und das ist gut so! Die Aufs und Abs der letzten Monaten haben sich in eine Art Ruhe umgewandelt, es kommt mir vor als hätte ich, vielleicht nur für einen Bruchteil von Zeit, meine Mitte gefunden, es kommt mir vor als sei ich mir selber nach all den Jahren endlich begegnet und als hätte ich mit mir selber Freundschaft geschlossen und dazu nicht mehr mein Glücklichwerden auf andere fixiert. Nein, es sind nicht die anderen die für mein eigenes Glück verantwortlich sind, denn die anderen sind nicht immer da und sie müssen es auch nicht, aber mein Ich ist immer für mich da, das ganze Leben lang…Auch wenn ich immer noch mit der Zukunft hadere, ist die Zukunft nicht schon jetzt? Jeden Augenblick? Schade eigentlich immer ans “gestern” und “morgen” seine Tagträume zu verschwenden, wenn schon dann doch lieber mit dem “jetzt” verschwenderisch umgehen…..Wann ist “jetzt”? Was ist eigentlich “die Gegenwart”? In der Physik heisst es, die Gegenwart dauert etwa 3 Sek., die Zeitspanne damit Auge und Gehirn miteinander “kommunizieren” um dies zu realisieren. Aber die Gegenwart ist doch jeder Bruchteil von Sekunde schon Vergangenheit!
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September 24th, 2003
Folgendes Gedicht ist mir gestern in die Finger gekommen………
WENN UND ABER
Hättest Du mich nicht gesucht,
würde ich mich nie finden.
Hättest Du nicht meine Seele provoziert,
würde ich sie ignorieren.
Hättest Du nicht meine Gedanken einfangen wollen,
wären sie wie weisse Wolken weitergezogen.
Hättest Du nicht mein Herz in Watte eingehüllt,
wäre es zerbrochen.
Hättest Du nicht mein Leben wie Flut überschwemmt,
würde es wie Ebbe stranden.
Hätte ich nicht diese Sehnsucht in mir,
würdest Du sie mir schenken.
(Alias)
Ich geb es zu, ich hab mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemeldet, Aufs und Abs wie wir sie alle haben haben mich in den letzten Wochen ziemlich in Anspruch genommen….
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August 11th, 2003
Da ist etwas, das die Tür zu den Worten nicht öffnet, dieses Gefühl das bei Dir bleibt wenn du wegfährst und all die Dinge, Gerüche die du nur beiläufig wahrgenommen hast zu Dir zurückkehren nachdem du gegangen bist, weil sich Deine Seele wie ein Schwamm von all diesem Zauber vollsaugt.
Und jedes mal wenn die Zeit seine sichtbaren Spuren hinterlassen hat, immer dann wenn Aeusserlichkeiten Dich in keiner Weise mehr an das Erlebte erinnern, rufst Du dieses Gefühl ins Leben zurück indem Du dessen Bilder, dessen Gerüche in Deinem Kopfkino Platz lässt.
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August 7th, 2003
Wenn Worte überflüssig werden, weil der Augenblick bis an den Rand mit sinn gefüllt ist, beginnt das Leben unwiderstehlich von sich zu erzählen und führt uns mitten hinein in faszinierende Geschichten - wenn wir nur lauschen. - heisst es in einem Gedicht -
Geschichten von Sonnenuntergängen, Mondaufgängen, von funkelnden Sternen die sich im See spiegeln mitten in einer lauen Sommernacht , Geschichten die all unsere Gedanken einfangen, Gedanken die wir zu Ende denken können weil vieles so klar wie Wasser ist, weil die Zeit dafür einfach für einen Augenblick Urlaub macht, weil jeder von uns mit sich selber im Einklang ist. Diese Geschichten, nun auf meinem Nachttisch, dem Nachttisch meiner Seele, Geschichten wie bunte Postkarten die man aus aller Welt bekommen hat……Und wenn meine Seele nachts mal Flügel bekommen sollte und durchs offene Fenster auf Entdeckungsreise möchte, dann nimmt sie jedes mal eine bunte Postkarte mit und verliert sich in ihren Träumen…..
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June 29th, 2003
Die letzten Stunden bis es losgeht….sind immer die schlimmsten! Ich muss noch genau 2 Stunden da sitzen und warten bis ich endlich losfahren kann…..Nachts scheinen die endlosen Autobahnen auch etwas Nachtruhe zu kriegen….somit ist die Fahrt vielleicht etwas entspannter und vor allem kühler! Hey, ich komme! 2 Wochen Urlaub, Sonne, Meer, Strand….und all das Vertraute das ich so gut kenne!! Freu ich mich? Oder doch nicht? Ehrlich gesagt weiss ich es noch nicht, aber wenn ich an Giuseppe, den Kellner, mittfünfzig der jeden morgen um 7 sämtlichen “belle signore” die noch ganz verschlafen aus dem Balkon gucken “Buongiorno Signora!” mit seinen 90 Dezibel Stimme die Pavarotti Konkurrenz machen zuruft, dann ist die Welt eigentlich ganz in Ordnung und ich muss herzhaft schmunzeln……Ja, und da sind die Animateure die krampfhaft versuchen die Hotelgäste zu motivieren, an die Je-ka-mi Show mitzumachen, und das so krampfhaft dass ihnen wirklich nix zuviel ist *grins* Und da ist natürlich auch Gigi, der vielleicht schönste Bademeister von Westeuropa, (von einer Bewertungsskala zwischen 1 und 10…….sagen wir mal eine satte 8!) der jeden Abend punkt 18 Uhr, mit seinem, mit Sonnenöl eingeriebenen Adonis-body und seinen geschmeidigen Bewegungen zu Disco-sound meine “Eis-sünden” auf die angenehmste Art durch Aqua-gym wegtrainieren kann…..Was will man eigentlich mehr? Verwöhnprogramm rund um die Uhr…..und das all-inclusive! Wenn da nicht meine Sehnsüchte wären die ich immer dabei habe…..Sehnsucht nach den Menschen die ich hier lasse, die ich leider nicht mit ins Handgepäck nehmen kann obwohl ich es so gern täte…..die ich jetzt schon vermisse! Es ist jedes mal das Gleiche! That’s Life!!!!! Aber: hab ein gutes Buch dabei das mir vielleicht hilft……So, und jetzt sinds genau noch ein dreiviertel Stunden bis zum “good-bye baby”…….Liebes Tagebuch, erhol dich ein bisschen von mir, ok? Bis bald……..
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June 18th, 2003
Warum ist es immer so traurig eine, fahrenden Zug hinterherzuschauen? Warum tun Abschiede so weh? Warum ist loslassen so schwer?
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June 3rd, 2003
Ein Seil ist gespannt, zwischen der Mauer der Vergangenheit, und einer hohen Mauer der Zukunft und der Clown da oben, der so weit oben hin- und her tänzelt, der seine Angst mit einem Lächeln verbirgt, versucht seine Balance zu halten, durch vorsichtige und bedachte kleinen Schritte in seinen zu grossen Schuhen. Die Vergangenheit: eine hohe Mauer aus Jugend, Unbeschwertheit, aus Heimweh, aus Liebe aber auch aus Geduld für das bereits Geschehene und Unentrinnbare. Die Zukunft: eine ebenso hohe Mauer aus Ungewissheit, aus Verwirrung, aus Sehnsucht für das was kommen mag. Und da sind alle Leute da unten die dem kleinen Clown zusehen wie er lächelt und tänzelt. Und sie lachen, die Leute da unten! Lachen sie aus Freude oder lachen sie ihn aus? Und was wäre wenn dieses kleine Männchen plötzlich sein Gleichgewicht verlieren würde und schwupps! runterfiele? Würde man ihn auffangen? Würde man ihn auffangen weil er so lustig ausschaut mit seinem blau-glänzendem Overall und der gepunkteten, riesengrossen Kravatte am Hals und weil er so lieblich lacht und Grimassen zieht oder aus Neugier vor der Person die daruntersteckt ? Was ist wenn unter dem blauen Overall, der bunten Kravatte und den Riesenschuhen einen 0815 Durchschnittstyp steckt? Einer wie hunderte, wie tausende andere Durchschnittstypen, einer der nicht durch was besonderes ins Auge sticht. Einer der ein gewöhnliches Leben führt, einer der einfach “lieb” ist, und keinerlei Erfahrung mit sich bringt…..Nicht in der Liebe, nicht mit Drogen, nicht von fremden Ländern berichtet, einer deren einzigen Erfahrung die Erfahrungen anderer ist…..
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